Geist-Taube – zu Pfingsten aus der Arche steigen


„Dauert es noch lang? Wann sind wir endlich da?“ – Die richtige Antwort ist immer: Es dauert „vierzig Tage“. Jedenfalls in allen Fahrzeugen, die einen am Ende verwandelt durch eine Krise bringen.

Die Geschichte von der Arche Noah erzählt: Vierzig Tage ist das Rettungsschiff auf hoher See. Vierzig Tage (oder vierzig Jahre) – das ist eine „symbolische Zahl“: Es meint eine Schwellenzeit – die braucht es nicht, um irgendwo an einem bestimmten Ort anzukommen – vielmehr: um bei sich selbst anzukommen, bei dem neuen Sein, das aus der Krise auftaucht.

Es ist eine Zwischen-Zeit: das Alte ist vergangen, das Neue hat sich noch nicht gezeigt. Dazwischen schaukeln wir auf den Wellen, scheinbar endlos dehnt sich die Zeit und vergeht nicht. Im Innern der Arche sind wir beschäftigt mit Loslassen und Hoffen. Mit vielen Schmerzen und langsamem Reifen. Unsichtbar ist da etwas am Werden, das sich noch nicht zeigt.

Wann ist die Krise vorüber? Wie kann man das wissen? Man macht ein Fenster auf. Noah schickt eine Taube als Kundschafterin aus. Schließlich kommt sie mit dem Ölzweig wieder: Es gibt neues Leben. Einen Platz für uns alle. Ein Ankommen, einen Übergang ins Wiedererstandene. Das Leben lässt sich nicht unterkriegen, der Geist schwebt wieder über den Wassern und schafft alles neu.

Dies Jahr feiern wir Pfingsten als Beginn der neuen Schöpfung. Wir werden aus der Arche aussteigen und alles neu entdecken. Mit den Augen derer, die hindurch gekommen und verwandelt sind, staunend. Wir schauen zurück auf die Arche, in der wir es lange ausgehalten haben. Und voraus auf den Weg, der vor uns liegt. Unter dem Regenbogen.

Andreas Wandtke-Grohmann