Erwachsen Glauben


 

eine Art „zweiter Naivität“…

Wie geht das: an Gott glauben jenseits von Eden – als Erwachsener inmitten einer Welt, die kein Paradies ist und damit nicht schon von selbst unmittelbar von Gottes Güte erzählt? Wenn die erste Naivität zerbrochen ist, das Gefühl, im Gehäuse einer überschaubaren, geordneten und vertrauenswürdigen Welt geborgen zu sein, geschwunden ist – wie kann das Lebensvertrauen sich dann auf etwas anderes gründen als auf die eigenen Fähigkeiten? Wenn der Kinderglaube nicht mehr hält, was man sich von ihm versprochen hat, dann ist für viele Menschen die Sache mit Gott wie ein Kleidungsstück, aus dem man herausgewachsen ist: Man legt es auf den Haufen der zu eng gewordenen, abgelegten Sachen. Vielleicht mit Bedauern und Wehmut – jedenfalls wächst dieser Glaube nicht mehr weiter und wird nicht mit erwachsen. Ein Überbleibsel aus Kindertagen.

Wer sich als Erwachsener dagegen öffnet für eine Art „zweiter Naivität“, der schlüpft damit nicht wieder zurück in die Kindheit. Es geht nicht darum, wieder in einer märchenhaften, verzauberten Welt anzukommen. Wohl aber meine ich die Öffnung für bestimmte Erfahrungen, von denen wir sagen können, dass wir sie einerseits gemacht (in höchster Beteiligung der aller Sinne und Vermögen) und andererseits doch nicht produziert haben.

Es geht um Prozesse der Veränderung, in denen wir uns im Kern wandeln und die wir doch nicht herstellen können. Der Bereich, in dem wir nichts durch zweckrationales Verhalten bewirken und doch mit ganzer Präsenz gefordert sind – dies ist der Bereich des Spirituellen. Ein Zwischen-Raum nicht mehr der Dinge, sondern der Wandlungen.

ein unentdeckter Kontinent…

Erwachsen glauben – das ist für viele wie ein unentdeckter Kontinent. Dies unbekannte Land zu erforschen, das ist eines der letzten Abenteuer. Der Weg führt in Prüfungen und Krisen hinein und mitten hindurch. Ich glaube, dass dabei erst deutlich wird, was „erwachsen sein“ wesentlich meint: ein verantwortliches Umgehen mit den fundamentalen Gegebenheiten menschlichen Daseins und eine Öffnung zum Mitgefühl mit den Mitlebenden.

Der Glaube der Erwachsenen ist nicht einfach nur ein Schutzraum gegen die Zumutungen des Lebens, sondern wird selber zur Herausforderung, über Lebensschwellen in Richtung auf innere Reifung zu gehen. In jeder Erfahrung, in der wir wachsen und reifen, wird dieser Glaube gestärkt. Das Beängstigende wird dabei in Bildern, in Mythen und Riten fassbar. Eine solche Religion für Erwachsene inszeniert rituelle Wege durch die Krise: Initiationswege – Einweisungen in ein Leben, das einem notwendigen Schmerz nicht ausweicht.


Glaubenskurse für Erwachsene in Hamburg

Schöpfungsspiritualität (pdf/298 KB)